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Universitätsklinikum Frankfurt beteiligt sich an bundesweiter Aktionswoche der deutschen Hochschulmedizin

 

Wann blutet die Universitätsmedizin aus?
Im Rahmen einer Aktionswoche des Verbands der Universitätsklinika warnt das Uniklinikum Frankfurt vor einer Verschlechterung der medizinischen Versorgung in Deutschland aufgrund der Unterfinanzierung der Hochschulmedizin.

Die Hochschulmedizin im Allgemeinen sowie das Universitätsklinikum Frankfurt im Speziellen sind durch große Anstrengungen momentan noch im Stande, gute Ergebnisse in der medizinischen Versorgung, Forschung und Ausbildung zu erzielen: Frankfurt bietet regional und überregional herausragende Therapieoptionen, hat in den letzten Jahren neue medizinische Möglichkeiten für schwerkranke Patienten entwickelt und überdurchschnittlich viele Ärzte ausgebildet. Allerdings lässt sich dieses Niveau mit der aktuellen Finanzierung nicht halten. Die Investitionsquote ist zu niedrig, um den bestehenden Gerätepark überhaupt adäquat in Stand zu halten. Außerdem sind die aktuellen Leistungen an einer Mehrzahl der universitätsmedizinischen Standorte in Deutschland bereits schuldenfinanziert oder zehren die noch bestehenden Reserven auf. Zwei Drittel der Universitätsklinika sind heute bereits defizitär. Das bedeutet: Die Hochschulmedizin lebt momentan nur noch von der Substanz.

„Während es der gesellschaftliche Anspruch ist, in Deutschland eine Medizin auf im internationalen Vergleich sehr gutem Niveau zu erhalten, reichen die tatsächlichen Mittel für die Hochschulmedizin nicht aus, um diesen hohen Standard zu gewährleisten“, betont Prof. Jürgen Schölmerich, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums. Die Unterfinanzierung lässt sich deutlich daran ablesen, dass zwar die Leistungsfähigkeit klar gesteigert, sehr erfolgreiche Forschungsarbeit betrieben sowie enorme Zuwächse in der Drittmitteleinwerbung verzeichnet werden konnten, das Klinikum aber dennoch defizitär ist.

Leistungssteigerung und Spitzenqualität in der Krankenversorgung
Das Universitätsklinikum Frankfurt engagiert sich stark, die Finanzierung seiner Leistungen zu gewährleisten. Das geht zum einen über eine permanente Effektivierung der Strukturen. „Umfangreiche Sparprogramme wurden und werden mit Erfolg umgesetzt. Doch irgendwann sind an dieser Stellschraube die Grenzen erreicht. Alternativ kann das Klinikum nur noch die Erlösseite verbessern“, erläutert die Kaufmännische Direktorin Bettina Irmscher. Das ist in jüngster Zeit auch massiv gelungen. Die stationären Patientenzahlen sind von 2012 auf 2013 um 3,9 Prozent von 44.882 auf 46.642 gestiegen. Die Zahl ausländischer Patienten konnte ebenfalls um 3,5 Prozent gesteigert werden, von 3.284 auf 3.400. Bei der Entwicklung der Fallzahlen zeigt sich zudem, dass das Uniklinikum immer stärker die Funktion der zentralen Anlaufstelle für Notfälle in der gesamten Region übernimmt. Die Patientenzahlen der Notaufnahme sind noch stärker, nämlich allein von 2012 auf 2013 um 7,4 Prozent gestiegen, von 26.798 auf 28.769. Parallel dazu ist es dem Klinikum gelungen, die Behandlungsdauer für den einzelnen Patienten um durchschnittlich 1,5 Prozent zu verkürzen.
Die gestiegenen Patientenzahlen hängen nicht zuletzt mit der hohen medizinischen Qualität zusammen, die das Klinikum bietet. Diese lässt sich unter anderem an der exzellenten Beurteilung im Magazin Focus erkennen. Das Universitätsklinikum Frankfurt ist auf „Deutschlands großer Klinikliste 2014“ Hessens bestes Krankenhaus und national unter den ersten sieben. In seiner Beurteilung bestätigt die Focus-Redaktion insbesondere die hervorragende Versorgung am Klinikum in den verschiedensten Fachgebieten. Das zeigt sich ebenfalls an der Focus-Ärzteliste 2014, auf der das Frankfurter Universitätsklinikum und der Fachbereich Medizin mit 22 Ärzten gleichfalls sehr gut vertreten sind. Die hervorragende Behandlung in verschiedensten Spezialgebieten zeigt sich auch an der langen Liste von Therapien, die in der Region und darüber hinaus ausschließlich am Universitätsklinikum angeboten werden: Diese reichen von der Herzkreislaufmedizin, über die Onkologie und Innere Medizin bis zu State-of-the-Art-Lösungen für Seh- und Hörschwächen.

Innovation, die sich lohnt – medizinisch und finanziell
Das Universitätsklinikum ist auch an der Entwicklung verschiedener technischer Geräte für eine verbesserte Krankenversorgung beteiligt – beispielsweise in der Radiologie: Dazu gehört etwa ein gemeinsam mit Siemens entwickelter, weltweit einzigartiger mobiler Schlittencomputertomograph. Weil die Patienten bei dem in dieser Form völlig neuartigen System nicht umgelagert werden müssen, wird in der Notfallbehandlung lebenswichtige Zeit gespart und das Risiko von Zusatzverletzungen sinkt deutlich. Mit den Firmen Amica und Covidien arbeitet die Radiologie an Mikrowellenablationstechniken, die eine nebenwirkungsarme Krebsbehandlung ermöglichen. Innerhalb der Neurochirurgie gilt: Das Universitätsklinikum ist das weltweit wichtigste Forschungszentrum der Firma Medtronic für die Weiterentwicklung intraoperativer Kernspintomografen. Die Anlage PoleStar N30 ermöglicht die sofortige vollständige Hirntumorentfernung dank einer Echtzeitbildgebung während der Operation. Es ist das einzige intraoperative Bildgebungssystem in der Neurochirurgie, für das der klinische Nutzen durch Studien nachgewiesen ist. Eine weitere technische Entwicklung hat das Universitätsklinikum mithilfe von Spenden umgesetzt. Eine spezielle Kältekammer ermöglicht erstmals eine deutlich zuverlässigere Diagnostik für asthmakranke Kinder. Diese Entwicklungsbeteiligungen bringen zum einen den medizinischen Fortschritt voran und sparen dem Klinikum darüber hinaus auch Geld, weil Spitzentechnologie zu Sonderkonditionen bereitgestellt wird.
All diese Spitzenleistungen verursachen für die öffentlichen Kassen letztendlich gar keine Kosten, sondern sind sogar finanziell lukrative Investitionen. Ein Wertschöpfungsgutachten der TU Dresden zeigt: Jeder staatlich in das Universitätsklinikum Frankfurt investierte Euro fließt um mehr als das 2,5-Fache potenziert in die öffentlichen Kassen zurück. Neben dem Steueraufkommen profitieren Stadt, Land und der gesamte Staat insbesondere von den positiven Effekten auf dem Arbeitsmarkt.

Wissenschaft und Lehre sind herausragend
Die Frankfurter Hochschulmedizin hat sich zu einem absoluten Leistungsträger in der Ausbildung der Ärzte von Morgen entwickelt. Innerhalb der letzten fünf Jahre konnte die Zahl der jährlichen Absolventen von 277 auf 326 gesteigert werden, während er im Bundesdurchschnitt konstant bei 270 verharrte. Der Anteil der Studentinnen in der Human- und Zahnmedizin lag dabei konstant um die 60 Prozent.
Herausragende Spitzenmedizin entsteht und besteht durch Forschung. Die Ergebnisse bleiben nicht innerhalb der Universitätsklinika, sondern werden in das gesamte Gesundheitssystem weitergegeben. „Wir haben es in der Frankfurter Hochschulmedizin geschafft, trotz trüben Rahmenbedingungen sehr erfolgreiche Forschung zu betreiben und sowohl die Einwerbung von Drittmitteln als auch den Forschungsoutput in den letzten Jahren deutlich zu steigern. Das lässt sich an sehr erfreulichen Zahlen festmachen“, sagt Prof. Josef Pfeilschifter, Dekan des Fachbereichs Medizin. So hat sich die Anzahl der wissenschaftlichen Studien in den letzten zehn Jahren enorm gesteigert. Von 2003 bis 2013 wuchsen sie von 294 auf 510 an – ein Leistungssprung von über 70 Prozent. Außerdem wurden aus dem Fachbereich Medizin heraus seit 2002 insgesamt 119 Patente für zukunftsweisende Diagnostik- und Therapieansätze angemeldet.
Auch im internationalen Vergleich wird die Frankfurter Universitätsmedizin hervorragend bewertet. Das Shanghai-Ranking ist das wichtigste Hochschulranking der Welt und misst den wissenschaftlichen Einfluss von insgesamt 1.000 Universitäten. Im Fachcluster ‚Klinische Medizin/Pharmazie’ gehört die Frankfurter Universitätsmedizin in der Ausgabe 2014 zur Gruppe der besten 75 weltweit, als eine von nur drei deutschen Universitäten – neben München und Heidelberg.

Forschung schafft neue Chancen in der Krankenversorgung: drei Beispiele
Durch die Forschung konnten die Heilungschancen von Kindern mit Krebs mehr als verdoppelt werden. Ein konkreter Forschungserfolg der Frankfurter Universitätsmedizin ist hierbei etwa in der Leukämiebehandlung gelungen. Kinder mit einer Hochrisikoform der Leukämie benötigen eine Stammzelltransplantation. Prinzipiell ist es dafür notwendig, dass die Patienten über einen „passendend Spender“ verfügen – dies wird als HLA-ident bezeichnet. Das Universitätsklinikum hat an der Entwicklung einer alternativen Methode wesentlichen Anteil. Bei dieser Methode können die Stammzellen eines Elternteiles verwendet werden, obwohl dessen Stammzellen nicht HLA-ident sind. Dieses Verfahren hat sich als ebenso erfolgreich erwiesen wie die Transplantation der genetisch exakt passenden Stammzellen und bietet damit Kindern eine Überlebenschance, die andernfalls mangels eines Spenders nicht geheilt werden könnten.
Sehr große Fortschritte konnten auch in der Behandlung von Hepatitis C erzielt werden. Seit Mitte 2011 stehen mit Telaprevir und Boceprevir zwei neue Substanzen zur Verfügung, an deren Zulassungsstudien die hiesige Medizinische Klinik I ganz maßgeblich beteiligt war. Gut zwei Jahrzehnte nach der Entdeckung des Hepatitis-C-Virus konnten damit beim Genotyp 1 – der in Europa rund zwei Drittel der Fälle ausmacht – die Heilungschancen von 44 auf fast 80 Prozent erhöht werden. Allerdings waren diese Medikamente für manche Patienten zunächst noch mit deutlichen Nebenwirkungen verbunden.
Aktuelle Studien – wieder unter zentraler Beteiligung des Universitätsklinikums – zeigen, dass chronische Hepatitis C mit dem Wirkstoff Sofosbuvir sowie auch anderen Substanzen sehr wirksam und gleichzeitig gut verträglich behandelt werden kann.
Gemeinsam mit der Firma Delcath konnte am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie auch das sehr vielversprechende medizinische Verfahren der Chemosaturation entwickelt werden. Durch einen künstlich erzeugten abgeschlossenen Blutkreislauf kann eine Chemotherapie ausschließlich auf die Leber begrenzt werden. Das ermöglicht eine hohe Dosierung des Therapeutikums im Blut der Leber. Nach der Behandlung wird dieses Blut in einem Filter wieder von dem Medikament befreit. Das Verfahren hat das Potenzial, das Leben der schwerkranken Patienten deutlich zu verlängern.

Abrechnungssystem benachteiligt die Hochschulmedizin
Während die Hochschulmedizin aufgrund großer Anstrengungen zwar nach wie vor beachtliche Leistungen vollbringt, macht das Finanzierungssystem diese zukünftig fast unmöglich. Insgesamt haben die Universitätsklinika im Jahr 2013 Defizite in Höhe von 161 Millionen Euro machen müssen. Der Anteil der defizitären Häuser hat sich allein in den letzten drei Jahren von 29 auf 61 Prozent mehr als verdoppelt. Auch das Universitätsklinikum Frankfurt hat negative Ergebnisse erzielt, obwohl man bei Patienten- und anderen Leistungskennzahlen eine deutlich positive Entwicklung verzeichnen konnte. Wie ist das zu erklären?
Das genannte Beispiel aus der Kinderonkologie verdeutlicht sehr anschaulich die Problematik, die sich beim aktuellen Finanzierungssystem ergibt. Wenn das Klinikum Stammzellen der Eltern verwendet, wird die Leistung der Entnahme nicht von den Krankenkassen übernommen. Diese Leistung verursacht Kosten von rund 25.000 Euro pro Eingriff, der in dieser Form am Klinikum im Jahr 2014 sechs Mal angewandt wurde. Für zwei weitere Patienten musste die Entnahme aufgrund von Komplikationen mehrfach durchgeführt werden, wodurch sich die Kosten auf je rund 50.000 Euro erhöht haben. In Summe wurden dem Universitätsklinikum hier also 250.000 Euro für diese acht Stammzelltransplantationen nicht finanziert.
Ein weiteres Finanzierungsproblem sind die Extremkostenfälle, die von den Universitätsklinika zu einem signifikant höheren Anteil behandelt werden. Die Häuser übernehmen eine gesellschaftliche „letzte-Hoffnung“-Funktion für die Patienten, die andere Krankenhäuser nicht aufnehmen können oder wollen. Die finanzielle Herausforderung stellt sich insbesondere dadurch, dass diese Patienten oft multiple Erkrankungen aufweisen, die behandelt werden müssen. Die Abrechnung richtet sich aber lediglich nach der Erstdiagnose. So wurde zum Beispiel im Jahr 2013 ein 19-jähriger Patient mit einem Tumor im Oberarm aufgenommen. Er hatte Metastasen in Lunge, Leber, Knochen, Wirbelsäule und litt unter Multiorganversagen. Mit aufwendigen Verfahren wurde der Patient stabilisiert: Verschiedene Drainagen, Medikamententherapien, mehrere Diagnoseuntersuchungen mit Computer- und Kernspintomograph und insgesamt 32 Transfusionen. Die zugeschriebenen Tageserlöse decken die Kosten für einen solchen Fall bei weitem nicht ab und ein Medikament zur Behandlung der Metastasen wurde von den Krankenkassen überhaupt nicht finanziert.
Die Behandlung schwerer Fälle ist auch ohne Folgeerkrankungen häufig schon deutlich teurer als in den Fallpauschalen angelegt. In einem Beispiel aus der Kinderchirurgie musste eine anspruchsvolle operative Entfernung des Enddarms durchgeführt werden. Aufgrund von Komplikationen wurde der Patient drei Mal operiert. Dadurch sind Kosten in Höhe von rund 28.000 Euro angefallen, von denen aber lediglich 15.500 erstattet wurden – eine Finanzierungslücke von fast 45 Prozent. Auch andere Krankenhäuser haben einzelne Fälle mit besonderer Schwere, doch die Universitätsklinika sind deutlich häufiger gerade auch mit Seltenen Erkrankungen konfrontiert.

Investitionsquote gefährdet Zukunftsfähigkeit
Zu diesen allgemeinen Finanzierungsproblemen kommt die zu geringe Investitionsquote. Laut Statistischem Bundesamt ist die Volkswirtschaftliche Investitionsquote in Deutschland von 1991 bis 2012 leicht von 23,2 auf 17,6 Prozent gesunken. In Krankenhäusern ist sie im gleichen Zeitraum von rund 10 auf 3,5 Prozent gefallen. Am Universitätsklinikum Frankfurt liegt sie sogar nur bei rund drei Prozent. Damit lässt sich der heute bestehende Gerätepark dauerhaft nicht einmal halten. Gleichzeitig wird aber von einem Universitätsklinikum erwartet, erstklassige Technik vorzuhalten oder gar neuste Anlagen zu entwickeln – mit diesen Mitteln unmöglich.
Die prekäre finanzielle Lage lässt sich nicht auf einen Mangel an Eigeninitiative der Hochschulmedizin zurückführen. Im Gegenteil: Die erfolgreiche Drittmitteleinwerbung gleicht die eklatanten Finanzierungslücken in Teilen noch aus. Die Gesamtzuweisung, die der Fachbereich Medizin aus den offiziellen universitären Mitteln erhält, sind von 2004 bis 2013 nur minimal gestiegen: Von rund 75 auf 77,5 Millionen Euro. Im gleichen Zeitraum sind die eingeworbenen Drittmittel um fast 40 Prozent von rund 28,5 auf 40 Millionen Euro gestiegen. Dieser Zugewinn an Drittmitteln für die medizinische Forschung finanziert aktuell große Differenzen in der Krankenversorgung, die das Abrechnungssystem offen lässt. Dazu kommen finanzielle Reserven des Fachbereichs, die in absehbarer Zeit aufgebraucht sein werden. „Die Finanzierung der Universitätsklinika muss auf eine solide Basis gestellt werden. Das derzeitige System ist nicht zukunftsfähig und wird ohne Veränderung bald zu massiven Qualitätseinbußen führen“, betont der Vorstand des Universitätsklinikums Frankfurt.

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